Chronik

1921 gründete Karl Jakob Auracher in Stuttgart – Heslach sein Fuhrgeschäft zunächst mit einem Pferdegespann. Er belieferte die Heslacher Handwerker und Händler mit Waren vom Markt in Stuttgart. Der zunehmende Warenverkehr brachte den Fuhrleuten gute Umsätze und auch Karl Auracher könnte schon bald einen Fuhrmann einstellen, der einen Teil der Arbeit übernahm und die Pferde pflegte.

Neben dem Gespannbetrieb begann der Firmengründer 1933 auch mit dem Einsatz seines ersten Motorlastwagens, einem amerikanischen Chevrolet 1,75-Tonner, einem Lkw, der mit Plane und Spriegel versehen war. Transportiert wurde alles. Antike Möbel aus den damals sehr häufig stattfindenden Versteigerungen gehörten ebenso zur Fracht wie Umzugsgut oder auch Obst, Most und andere landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehörte auch der Transport von Brennholz aus den umliegenden Wäldern, mit dem die Heslacher Bevölkerung versorgt wurde.

Immer häufiger gab es auch Aufträge zum Transport von Musikinstrumenten, wenn das Orchester des Stuttgarter Staatstheaters auf Tournee ging. Auch Requisiten – Transporte fielen an, so musste einmal die gesamte Ausstattung für einen aufwendigen Film über das Leben Friedrich Schillers an die Drehorte gebracht werden.

Noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges konnten drei weitere Fahrzeuge angeschafft werden. Nun gehörten neben dem Chevrolet auch ein Opel – Zweieinhalbtonner, ein Standard – Vierrad – Lieferwagen und ein Tempo – Dreirad zum Fuhrpark unseres kleinen Betriebes.

Während der letzten Kriegsjahre wurde Karl Auracher dienstverpflichtet. So musste er Verpflegungstransporte für die Gefangenenlager im Großraum Stuttgart übernehmen. Dabei gelang es ihm immer wieder, nicht abgenommene Portionen der französischen Zwangsarbeiter, den noch schlechter versorgten Russen zuzuschanzen. Auf diese Weise gelang es ihm, auch dieser Arbeit Sinn und Freude abzugewinnen.

Der jüngste Sohn Oswald, gelernter Automechaniker und unser heutiger Seniorchef, hatte schon als Sechzehnjähriger seinen Führerschein erworben. Kurz darauf wurde er zum Arbeitsdienst auf einen Flugplatz nahe Oldenburg eingezogen. Mit 17 Jahren fuhr er bereits schwere Holzvergaser-Lastwagen mit einem beim Militär eigens für diese Fahrzeuge erworbenen Führerschein. Er kam zum Kriegseinsatz nach Frankreich, wo er bei der motorisierten Artillerie eine Acht – Tonnen – Halbkettenzugmaschine mit sechs Mann Besatzung und einem 10,5 – Zentimeter – Geschütz zu fahren hatte. Dort überlebte er einen Angriff durch feindliche Flieger schwer verletzt.

Karl Auracher selbst erlebte das Kriegsende unversehrt, aber die beiden älteren seiner vier Söhne, Karl und Felix waren 1941 und 1942 in Rußland gefallen. Das Wohnhaus auf dem Firmengelände in der Vellmenstraße war durch Fliegerangriffe zerstört.

Als im Mai 1945 der Schrecken es Krieges vorüber war und den harten Zeiten des Mangels wich, begann gleichzeitig der Wiederaufbau der deutschen Städte. Unserer Spedition waren zwei Fahrzeuge geblieben, allerdings gab es keine Ersatzteile und Reifen; deshalb erwarb Karl Auracher einige Pferde und ließ sich neue Wagen bauen, um vorübergehend Transporte per Gespannbetrieb zu übernehmen. Währenddessen wurde der Fuhrpark wieder aufgebaut.

Anfang der fünfziger Jahre erwies sich der Pferdebetrieb als zunehmend unrentabel und die Tiere mussten schweren Herzens verkauft werden.

Transportiert wurde sowohl Schüttgut, als auch Stückgut; auch das Staatstheater schickte sein Orchester nun wieder auf Tournee. Da noch kein Fahrzeug mit geschlossenem Aufbau vorhanden war, war der Aufwand, die Sicherheit des wertvollen Transportgutes zu gewährleisten, sehr groß. Als erster Lkw mit geschlossenem Aufbau fand im März 1954 ein gebrauchter Magirus des Typs S 3500 Einzug in unseren Fuhrpark. 1956 folgte ein Möbelwagen mit im Aufbau integriertem Fahrerhaus.

Von Anfang an wurden die Fahrzeuge besonders gepflegt, so dass sie uns teilweise bis heute erhalten geblieben sind.

Oswald Auracher, der das Geschäft von 1945 an wieder aufbaute, übernahm 1954 das Unternehmen und führte es weiter, wie er es von seinem Vater gelernt hatte. Dieser betrieb, nachdem er sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte, noch einige Jahre eine Pony–Kinderreitschule mit eigenem Hippodrom.

Daraufhin spezialisierten wir uns ganz auf den Transport von Möbeln; neben Umzügen gehören bis heute Transporte im In– und Ausland von wertvollen Instrumenten unter anderem für das Orchester des Stuttgarter Staatstheaters und das Sinfonieorchester des Südwest Rundfunks zu den Aufgaben unseres Familienunternehmens.

Unser Fuhrpark bestand durch die Jahre zumeist aus vier Möbelwagen, die gelegentlich durch neue ersetzt wurden. Neben unseren beiden Oldtimern von 1959 und 1965 fahren zwei weitere Mercedes–Lastwagen mit Spezial–Möbelaufbauten, ein LP 1319 von 1976 und ein 1831 L von 1992. Bis auf den neuesten sind alle mit Staufen–Aufbauten versehen. Nur der 1831 L hat eine seltene Warnecke–Karosserie aus Hannover. Mit einem im Kastenaufbau integrierten Kippfahrerhaus ist er vermutlich einer der letzten „Pullmänner” auf Deutschlands Straßen.

Neben den Motorwagen sind natürlich auch die passenden Anhänger im Einsatz, sie stammen gleichfalls von Staufen und auch sie wurden gehegt und gepflegt von der Erstzulassung bis heute.

Doch der behutsame Umgang mit den Firmenfahrzeugen ist nicht die einzige Herausforderung unseres Seniorchefs Oswald Auracher. Seit mehr als vierzig Jahren ist er auch leidenschaftlicher Sammler alter Kutschen. In einem kleinen Museum, das auf dem eigenen Gelände untergebracht ist, wird eine Kollektion von insgesamt 13 seltenen Kutschen aufbewahrt, die allesamt um die hundert Jahre alt sind. Die wertvollen Fahrzeuge kommen aber auch für öffentliche Auftritte, als Filmrequisiten oder bei Turnierfahrten zum Einsatz. Denn nicht nur die Kutschen, sondern auch ihr „Antrieb” gehört zu Oswald Aurachers nostalgischem Hobby. Die Beschäftigung mit seinen Pferden, den letzten im Stuttgarter Innenstadtbereich, ist für den traditionsbewußten Chef ein Ausgleich für den harten Arbeitsalltag.